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Thomas R. Köhler

Automotive

Werbung im Cockpit: Wenn das Auto zum Bildschirm wird

thomas 13. Oktober 2026 6 Min. Lesezeit

Erst Abo-Modelle für Sitzheizungen, jetzt Werbung auf dem Bordbildschirm. Was als Test in einem Markt beginnt, folgt einem Muster, das wir von Fernsehern und Kühlschränken kennen. Für Unternehmen mit Fuhrpark ist das mehr als ein Ärgernis.

Sie fahren Ihre Lieblingsstrecke, das Verdeck ist offen — und beim Start erscheint Werbung auf dem Bordbildschirm. Noch ist es ein Test, noch nur in einem Markt, noch „nur“ beim Fahrzeugstart. Aber wir kennen dieses Muster.

Bei Smart-TVs hat es genauso angefangen. Bei vernetzten Haushaltsgeräten ebenfalls. Und in beiden Fällen war die Zwischenstufe dieselbe: Ein Gerät, das der Kunde vollständig bezahlt hat, wird nachträglich zur Werbefläche — über ein Update, das niemand angefordert hat.

Das eigentliche Thema ist nicht die Werbung

Werbung ist die sichtbare Spitze. Darunter liegt die Frage, die Unternehmen mit Fuhrpark wirklich betrifft: Welche Daten verlassen das Fahrzeug, und wer wertet sie aus?

Ein modernes Fahrzeug ist ein rollender Sensor mit Mobilfunkanbindung. Die Frage ist nicht, ob es Daten sendet, sondern welche.

Fahrverhalten, Standorte, Nutzungszeiten, gekoppelte Telefone, Sprachbefehle: Über Fahrerüberwachung reden Hersteller ungern, aber die technische Grundlage ist längst verbaut. Wer einen Firmenwagen stellt, gibt damit unter Umständen Bewegungsprofile seiner Mitarbeiter an Dritte weiter — mit allen Konsequenzen für Datenschutz und Mitbestimmung.

Drei Punkte für die Fuhrparkstrategie

  • Klären Sie die Datenlage vertraglich. Wer bekommt welche Fahrzeugdaten, zu welchem Zweck, und wie lange? Das gehört in den Beschaffungsprozess, nicht in die Beschwerdeabteilung.
  • Betriebsrat und Datenschutz früh einbinden. Standort- und Verhaltensdaten von Beschäftigten sind mitbestimmungspflichtig. Nachträglich wird das teuer.
  • Rechnen Sie mit nachträglichen Änderungen. Die Update-Funktion ist ein Einfallstor für Geschäftsmodelle, die beim Kauf nicht auf dem Tisch lagen. Fragen Sie, was der Hersteller sich vorbehält.

Und die Sicherheitsperspektive

Jede zusätzliche Funktion auf dem Bordsystem vergrößert die Angriffsfläche. Ein Bildschirm, der Inhalte aus dem Netz nachlädt, ist ein Kanal — und Kanäle werden missbraucht. Was heute Werbung ausspielt, kann morgen Schadcode ausspielen, wenn die Kette dazwischen nicht sauber ist.

Für Entscheider heißt das: Behandeln Sie Fahrzeuge wie IT. Sie sind es längst. Wer bei Laptops eine Beschaffungsrichtlinie hat, aber bei Fahrzeugen nur auf Leasingrate und Farbe schaut, hat eine Lücke im System.

K

thomas

„Der Vordenker zum Thema Cybersicherheit“ (Handelsblatt). Mehrfachgründer, Erfinder und Autor des Standardwerks „Cybersicherheit“. Keynote Speaker zu Cybersecurity und Künstlicher Intelligenz — beinahe wöchentlich im TV.

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